Route

772 Kilometer, 6,5 Tage
772 Kilometer, 6,5 Tage

Etappen

Blog

Tag 1: Karlsruhe nach Worms

Los geht's (und sogar weiter)

Ich bin vormittags einfach mal losgefahren und habe nach ein paar Kilometern überlegt, ob das wirklich so eine gute Idee und für mich schaffbar ist, denn mein Plan ist ja immerhin von Karlsruhe mit dem Fahrrad bis an die Nordsee zu fahren. Aber versuchen kann man es ja mal. So bin ich also losgefahren und gefahren und gefahren und habe schon am ersten Tag gelernt, dass es zwar sehr praktisch ist den Fahrradwegschildern nachzufragen, allerdings leiten diese einen oft einen längeren (wenn auch schöneren) Weg entlang, sodass ich jetzt wohl öfter auf mein Handynavi komoot hören werden. Während des Fahrens habe ich viele Podcasts und Musik gehört und so ist die Zeit auch recht schnell verflogen. So kam ich mittags bereits in meinem eigentlichen Ziel Ludwigshafen an, aber da es ja ein wenig unnötig wäre, um 14 Uhr schon anzukommen, bin ich noch zwei Stunden weiter bis nach Worms gefahren. Außerdem ist heute vermutlich der einzige Tag ohne Muskelkater, sodass ich gut und gerne auch noch ein paar Kilometer dran hängen kann. In Worms angekommen habe ich ganz konventionell in einer Jugendherberge übernachtet, auch wenn mich die Preise für Übernachtungen in Deutschland Asien sehr vermissen lassen. Aber immerhin eine Sache musste ich nicht vermissen - und zwar Bubble Tea :D Denn lustigerweise gab es einen kleinen Bubble Tea Laden in Worms und wenn sich die Möglichkeit schon bietet, kann ich natürlich nicht nein sagen! Und so ist der erste Tag dieses kleinen Abenteuers, das es ohne Corona wohl nicht gegeben hätte, auch schon vorbei, gute Nacht.

Tag 2: Worms nach St.Goar

Aus 3 mach 2
Nach einem simplen Frühstück in der Jugendherberge bin ich früh schon weiter gefahren. Nach den ersten paar Kilometern ist mir bereits etwas lustiges begegnet: Mir kam ein Mann mit Hund entgegen, ich gucke ihn an, er guckt mich an, ich gucke den Hund an und es war einfach kein Hund sondern ein großes schwarzes Schwein, das der Mann an der Leine führte!! :DD Nachdem diesem lustigen und auch sonst zügigen Start hat sich ein holpriger Schotterweg bis Mainz dann ziemlich gezogen, danach lief es aber wieder. Jedoch frage ich mich, wie Menschen komplett ohne Handynavi den Weg finden können, denn die Fahrradwegschilder sind zwar super positioniert und auch sehr hilfreich, aber wenn man mal eins verpasst oder übersieht, fährt man einfach falsch weiter und weiß es gar nicht? Anyways, irgendwo zwischen Mainz und Bingen habe ich erst Pflaumen von einem Baum stibitzt und anschließend bin ich kurz mit einem überholenden E-Biker ins Gespräch gekommen. Erst ganz normaler Smalltalk, dann erzählte er aber plötzlich über was er während der Fahrt so nachdenkt: Über alles was er so sieht und vor allem warum es das gibt. Und das gibt es laut ihm aufgrund eines Schöpfers, eines intelligenten Designers. Da schrillten bei mir im Kopf dann alle Bio-Alarmglocken, denn an die Befürworter des Kreationismus bzw. intelligent Design haben wir uns während des Themas Evolution immer lustig gemacht. Dass solche Menschen aber auch in freier Wildbahn rumlaufen bzw. rumfahren war überraschend. Als ich ihm dann sagte, dass ich an Wissenschaft und Evolution glaube, erklärte er mir was dazu denn alles so im Internet stünde und dass ich mich dazu ja mal auf einer Website informieren könne. Und jetzt kommt der Oberhammer: Die Website, die er nannte, war die der Zeugen Jehovas. Dann habe ich ganz schnell das Gespräch beendet und bin weiter gefahren (das ging dann auch wieder ganz schnell, denn ich wollte nicht von ihm und seiner Frau eingeholt und in ein neues Gespräch verwickelt werden)! Was da alles für Leute rumfahren ist unglaublich. Und noch etwas habe ich an diesem Tag gelernt, E-Biker erkennt man schon aus weiter Ferne. Nicht nur an ihrer trotz seltenen Tretens und ihres unangestrengten Gesichtausdruckes, sondern auch daran, dass sie und ihr Fahrrad meist die gleiche Farbe haben (vorzugsweise natürlich türkis oder neonpink). Lol. Irgendwann nach Bingen kam ich dann auf eine wunderschöne Strecke am Rhein und überraschend schnell an der Loreley vorbei an mein heutiges Ziel St.Goar. Fun Fact über St.Goar: hier hängt die weltweit größte selbstgemachte Kuckucksuhr! Zum Abendessen habe ich Pizza am Rheinufer gegessen und als Abendbeschäftigung versucht meinen Sonnenbrand an unerreichbaren Stellen meines Rückens einzucremen.
Achso und kleiner Nachtrag: Muskelkater hatte ich von gestern übrigens gar keinen, sodass ich nun am zweiten Tag schon am für Tag 3 geplanten Ziel angekommen bin!

Tag 3: St.Goar nach Rodenkirchen

Den Rhein entlang

Wie der Titel schon sagt, bin ich heute einfach nur dem Rhein entlang gefahren und begeistert darüber, wie schön Deutschlands Landschaften sind. Gerade die Gegend am Anfang meiner Tagesetappe war super schön. Koblenz hat mir auch super gefallen, ich konnte meinen Müsliriegelvorrat bei dm auffüllen und eine Sonnenbrille kaufen, denn der Fahrtwind und die Sonne hinterlassen unschöne Spuren an meinen Augen (also Mama, falls du das liest, du hattest recht hehe). Danach ging es weiter Richtung Ruhrgebiet, durch Bonn hindurch bis kurz vor Köln. Auf der Strecke rund um Bonn wurde ich bestimmt vier Mal von der gleichen Rennradfahrerin überholt - das komische ist nur, dass ich mich nicht dran erinnern kann, sie auch nur ein einziges Mal überholt zu haben?? Außerdem habe ich heute gelernt, wo die Eifel ist, denn plötzlich bin ich am Geysir Andernach vorbei gefahren, den wir letztes Jahr während der Erdkunde Exkursion besichtigt haben. Das war's auch schon mit heute. Bye Bye!

Tag 4: Rodenkirchen nach Selm

499 Kilometer

Überraschenderweise gibt es im Ruhrgebiet nicht super viele Hotels (zumindest keine günstigen) war meine weitere Planung ein wenig eingeschränkt. Auch die Routenführung war komplizierter, da ich nicht den Schildern nach von einer Stadt in die nächste, sondern manchmal eben auch einfach zwischen den Städten hindurch fahren konnte. Und so bin ich also erst durch Köln, an Leverkusen und Düsseldorf vorbei, durch Mülheim hindurch, an Essen vorbei und zwischen Recklinghausen und Gelsenkirchen Richtung Norden gefahren. Mein Handyakku war dann leider sehr schnell leer, sodass ich eine etwas längere Mittagspause in einem Asiaimbiss eingelegt und mein Handy geladen habe. Nach dem Weiterfahren auf eine scheinbar sehr beliebten Streckenabschnitt war ich aber irgendwie plötzlich schon am eigentlichen Zielort? Da ich aber noch genug Energie übrig hatte, bin ich noch zwei Orte weiter gefahren, auch wenn die Möglichkeiten aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Hotels deutlich eingeschränkt waren. Komisch, dass ich gar keinen Muskelkater habe und meine Beine ermüden auch nicht wirklich. Zumindest nicht bewusst, unterbewusst vermutlich schon - das merkt man daran, dass ich bei Ampeln hoffe, dass sie rot sind, um kurz stehen bleiben zu können oder Fahrradwegschilder plötzlich sooo interessant werden, dass man gaaanz langsam fahren muss, um sie gaaanz genau zu inspizieren. Aber egal, ich bin am Ziel angekommen und meinem Zeitplan weit voraus, denn in den letzten vier Tagen bin ich schon fast 500 Kilometer gefahren, um genau zu sein 499. Das heißt auch, dass ich mich vom Rhein verabschiedet habe und jetzt offiziell im Norden Deutschlands bin. Woher ich das weiß? Seit Essen gibt es nur noch Aldi Nord. Gute Nacht.

Tag 5: Selm nach Meppen

Bitte geradeaus fahren

Also heute bin ich quasi einfach geradeaus gefahren. Kurz abbiegen und dann viele Kilometer geradeaus fahren. Danach an einem Kreisverkehr gerade aus und wieder kilometerlang der Straße folgen. Ab und zu musste ich dann die Straßenseite wechseln, nur um dann weiter geradeaus zu fahren. Das ist alles auch eigentlich gar kein Problem, nur wenn man dann auf einer Gerade starken Gegenwind hat, macht es echt keinen Spaß. Eigentlich egal ob Gegenwind oder Seitenwind, der hätte heute echt nicht sein müssen. So war heute vermutlich der langweiligste Tag, mit den gleichbleibensten Landschaften und den längsten Geraden. Vor allem auch der längsten Geraden: Der Fahrradweg 'Radbahn Münsterland' ist ein echter Highway, super asphaltiert, von Bäumen umgeben, breit und geht ewig lang geradeaus. Das war top. Früher denn je kam ich dann im Hotel in Meppen an und keine 3 Minuten später hat es angefangen zu regnen, perfektes Timing würde ich sagen. Auch wenn ich morgen vermutlich den ganzen Tag im Regnen fahren werde. Immerhin habe ich beim Abendessen meinen Teller leer gegessen, sodass morgen ja vielleicht doch noch die Sonne scheint!  :D

Tag 6: Meppen nach Leer

Bitte kein Regen

Heute war für den gesamten Tag Regen angekündigt, also bin ich direkt nach dem Frühstück losgefahren, um es möglichst schnell hinter mich zu bringen! Da es nur 80km waren, war es im Vergleich zu sonst auch tatsächlich sehr schnell :D Am Anfang hat es zwar geregnet, aber glücklicherweise bin ich unter Bäumen gefahren, sodass ich bis auf gelegentliche Duschen durch Windböen relativ trocken geblieben bin. Anschließend hat es sogar aufgehört zu regnen und ich hatte Rückenwind, so bin ich also wirklich sehr schnell immer gerade aus in Richtung Tagesziel gefahren und schon um 12:00 in Leer und damit fast am Ende meiner Reise angekommen! :) Denn die schlappen 60km morgen werde ich wohl auch noch schaffen!

Tag 7: Leer nach Neuharlingersiel/Spiekeroog

Kurz vor der Ziellinie

Nach einem verhältnismäßig späten Start in Leer habe ich mich zu meiner letzten Etappe aufgemacht, denn bis Neuharlingersiel und damit auch zum Ziel "Nordsee" waren es nur noch 65 Kilometer. Allerdings tat sich nach nur einer dreiviertel Stunde schon ein kleines Hindernis auf. Denn nachdem ich gestern habe verlauten lassen, wie froh ich doch sei, keinen Platten gehabt zu haben, ist just in dem Moment als ich dachte, dass ich ja das Flickzeug gar nicht gebraucht habe, die Luft aus meinem Vorderreifen entwichen. Leider kam ich mit aufpumpen keine zwei Meter bevor der Reifen wieder komplett leer war, sodass ich mich wohl oder übel der wohl größten Herausforderung der Tour stellen und den Reifen flicken musste! Mit ein bisschen Kreativität habe ich es geschafft, die Luft blieb drin und ich konnte meine Fahrt gen Norden weiter fortsetzen. Leider habe ich mich durch dieses Spektakel ein wenig verspätet, sodass ich auf den letzten 10 Kilometern leider im Regen fahren musste! Aber so kurz vor dem Ziel habe ich mich dann dennoch mehr stolz as nasskalt gefühlt, denn ich habe meine eigens gestellte Herausforderung sowas von gemeistert und bin in 6,5 statt 10 Tagen von Karlsruhe 772 Kilometer bis an die Nordsee gefahren!! Ich bin überrascht, dass ich das ganze ohne wirkliche Vorbereitung ganz ohne Muskelkater oder sonstige Beschwerden gemeistert habe, sodass der Reifen das einzige bleibt, das während der Tour platt war! Tschüss bis zum nächsten Abenteuer!